mitten im Südpazifik, rund 3.500 Kilometer vom chilenischen Festland entfernt. Und doch zieht das einsame Eiland viele Touristen an, denn die Kultur der Osterinsel ist einzigartig und spektakulär.

Kaum ein anderer Ort liegt so abgeschieden wie die Osterinsel: mitten im Südpazifik, rund 3.500 Kilometer vom chilenischen Festland entfernt. Und doch zieht das einsame Eiland viele Touristen an, denn die Kultur der Osterinsel ist einzigartig und spektakulär.

Mit gerunzelter Stirn, schmalen Schmolllippen und starrem Blick schauen die großen Gestalten finster auf die herrliche Bucht. Es ist schon erstaunlich, wie man bei diesem fantastischen Ausblick so schlechte Laune haben kann. Doch die Kolosse, die die Passagiere der L`Austral auf ihrem Landausflug um mehrere Köpfe überragen, lässt das völlig kalt – denn sie stehen schon seit mehr als tausend Jahren hier.

Die meisten Moai blicken ins Landesinnere
Die meisten Moai blicken ins Landesinnere

Die riesigen Steinstatuen mit den übergroßen Köpfen werden Moai genannt und sind Zeugen einer Kultur, die fast untergegangen wäre. Rapa Nui, wie die Osterinsel in der Eingeborenensprache genannt wird, wurde von polynesischen Entdeckern besiedelt. Ursprünglich lebten zwei rivalisierende Stämme hier: die „Kurzohren“ und die „Langohren“ – so genannt wegen ihres Brauchs, die Ohrläppchen mithilfe hölzerner Pflöcke bis zu den Schultern herabzuziehen. Schöpfer der ausschließlich männlichen Moai waren die Langohre. Mündlich überlieferte Legenden erzählen, dass jeder Clan einen eigenen Kultplatz anlegte, der Ahu genannt wurde. Die dort aufgestellten Moai stellten verstorbene Häuptlinge oder Götter dar und wurden nach dem Glauben der Langohren durch die spirituelle Kraft mächtiger Vorfahren belebt. Sie sollten durch ihre Augen Schutz, Kraft und Weisheit auf das Oberhaupt des jeweiligen Clans übertragen. Nur wenige Moais stehen einzeln, fast alle sind Bestandteil größerer Zeremonialanlagen. Zum gesamten Ensemble gehören große Steinstufen, die als Plattform dienen und die beinlosen Skulpturen aus dunklem Vulkansandstein tragen. Die meisten Moai blicken ins Landesinnere und stehen zwischen dem Ozean und dem Dorf des zu beschützenden Clans. Vor den Figuren öffnet sich ein großer Platz, der für Versammlungen genutzt wurde.

Die Moai stellen verstorbene Häuptlinge oder Götter dar
Die Moai stellen verstorbene Häuptlinge oder Götter dar

Die einzigartigen Anlagen, die alle anderen Bauwerke der Südsee mit ihrer Größe weit übertreffen, zählen seit 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der deutsche Missionar Pater Sebastian Engler katalogisierte in den 1950- und 1960-er Jahren 638 Moais an 230 Stellen auf der Insel. Ein amerikanisches Forscherteam kam 30 Jahre später auf 887 Statuen, von denen die meisten umgekippt, verwittert oder noch im Vulkansteinbruch in der Entstehung waren. Die ältesten Statuen stammen aus dem 7., die jüngsten aus dem 17. Jahrhundert. Gemeinsam ist allen, dass sie immer in ungerader Zahl aufgestellt wurden. Einige der Statuen haben einen rostroten Hut auf, der aber wahrscheinlich zusammengeknotetes Haar darstellen soll. Die stehenden und größtenteils restaurierten Moais sind zwischen zwei und knapp zehn Meter hoch, bei einem Gewicht von bis zu 80 Tonnen. Der größte jemals angefertigte Moai ist unvollständig und liegt noch im Steinbruch am Rano Raraku, einem erloschenen Vulkan im Südosten der Insel. Fast 22 Meter lang ist der Brocken, Wissenschaftler schätzen, dass die unvollendete Statue zwischen 200 und 250 Tonnen wiegen muss.

Die ältesten Statuen stammen aus dem 7. Jahrhundert
Die ältesten Statuen stammen aus dem 7. Jahrhundert

Angesichts dieser Dimensionen und auch beim Anblick der nur halb so großen stehenden Moais drängt sich die Frage auf, wie die Ureinwohner es geschafft haben die Figuren aus dem Steinbruch zu meißeln und an ihre Standorte zu bewegen – zum Teil mehr als zehn Kilometer weit über hügeliges Terrain? Archäologen glauben, dass an einer einzigen Figur vier oder fünf Steinmetze mit Faustkeilen etwa ein Jahr arbeiteten. Für Transport und das Aufstellen am endgültigen Standort veranschlagen die Experten ungefähr fünf Monate. Es gibt mehrere Theorien: Hilfsmittel für den Transport könnten geglättete Baumstämme gewesen sein, es kommen aber auch behauene Steinkugeln in Frage, die überall auf der Insel verteilt liegen. Der neueste und wahrscheinlichste Lösungsansatz geht davon aus, dass man die Figuren aufrecht „laufen“ ließ: die dicken Bäuche der Statuen drückten sie nach vorn und durch den D-förmigen Sockel konnten die Ureinwohner sie an Seilen hin- und herschaukelnd vorwärts bewegen. Dutzende umgestürzte Figuren an den Hängen zeigen, wie schwierig der Transport war.

Apple auf dem Wasser

Die beeindruckenden Steinkolosse sind Tagesgespräch an Bord, man zeigt sich gegenseitig Aufnahmen und bewundert besonders gelungene Bilder. Zum Glück liegt die L ´Austral zwei Nächte vor der Hauptstadt Hanga Roa, so dass die Passagiere die Insel und ihre Sehenswürdigkeiten zwei volle Tage erkunden können. Das ist Teil des Expeditionskonzeptes der französischen Reederei Ponant, die mit ihren vier baugleichen Superyachten, Marktführer in Arktis und Antarktis ist. Die 142 Meter langen Schiffe für bis zu 264 Passagiere sind stimmig durchgestylt, elegant designt von außen und innen, mit sehr durchdachten Details wie drei verschiedenen Steckdosentypen in den Suiten oder dass Bad und Toilette getrennt sind. Ponant verfolgt ein Lifestyle-Konzept, quasi Apple auf dem Wasser, und das merkt man auf Schritt und Tritt, von den öffentlichen Räumen bis zu den exklusiv ausgestatteten Suiten, von denen 95 Prozent über einen Balkon verfügen.

Ponant hat sich zum Ziel gesetzt mit seinen Superyachten Weltmarktführer bei Expeditionsseereisen zu werden. So bietet die Reederei auch viele Warmwasserziele an wie Papua-Neuguinea, ostasiatische Inseln oder die Südsee mit vergleichsweise selten angefahrenen Zielen wie Pitcairn oder der Osterinsel. Mit den derzeit im Bau befindlichen vier neuen Schiffen der Ponant Explorer-Klasse, die mit jeweils 131 Meter Länge bis zu 184 Passagiere fassen, sollen dann auch Regionen befahren werden, die für größere Schiffe unerreichbar sind. Neben Amazonas oder Orinoco werden dies viele neue Ziele in subtropischen und tropischen Regionen sein, die bislang noch nicht angefahren werden konnten. Die ersten beiden Schiffe, Le Lapérouse und Le Champlain werden im Sommer 2018 in See stechen, ein Jahr später folgen die Le Bougainville und Le Dumont-d’Urvill. Neben einer ausfahrbaren Marina werden die neuen Expeditionsschiffe mit der Weltneuheit einer Unterwasserlounge ausgestattet sein, die es den Passagieren ermöglicht durch große Bullaugen die Fauna und Flora der Unterwasserwelt zu beobachten.

Karge, baumlose Grassteppen dominieren die Landschaft
Karge, baumlose Grassteppen dominieren die Landschaft

Die Natur auf der Osterinsel ist dagegen recht unspektakulär. Zwar gibt es drei mittlerweile erloschene Vulkane, aber von den einst üppigen Wäldern ist nichts mehr übrig. Karge, baumlose Grassteppen dominieren die Landschaft und zeugen ebenso von einer hausgemachten Katastrophe wie die Tatsache, dass die letzten Moai im 17. Jahrhundert behauen wurden: im Steinbruch an der Außenseite des Vulkans Rano Raraku liegen 193 fast fertige und 80 weitere begonnene Statuen. Von einem Tag auf den anderen hörten die Langohren mit ihrem jahrtausendealten Kult auf.

Der Nabel der Welt

Die Ureinwohner hatten ihre Heimat „Te Pito o Te Henua“ genannt, ihre Insel war für sie der „Nabel der Welt“ und der Himmel der nächste Kontinent. So abgelegen hatten sie sich gefühlt, von so weit weg waren ihre Vorfahren gekommen, wie ihre Überlieferungen erzählten. Rund 10.000 Insulaner, so schätzt man, lebten im 16. Jahrhundert hier, weitab vom Rest der Welt. Bis an einem Apriltag des Jahres 1722 drei Segelschiffe vor der Küste auftauchten und der Niederländer Jacob Roggeveen, so wie es damals bei den europäischen Seefahrernationen Usus war, das einsame Eiland für seine Krone in Besitz nahm. Roggeveen taufte das Fleckchen Land, etwas kleiner als Fehmarn, Osterinsel, denn an diesem Tag war Ostersonntag. Damals war die Bevölkerung bereits dezimiert, schon bevor die Niederländer ankamen, war es zwischen Langohren und Kurzohren zu blutigen Kriegen gekommen. Denn nachdem die Inselbewohner die Wälder für Brennholz und Ackerland gerodet hatten, wuchsen keine Bäume mehr nach. Holz wurde rar, die Ureinwohner konnten keine Kanus mehr bauen, um Fische zu fangen. Irgendwann waren auch alle Vögel und alles Kleinwild gejagt, als Folge der Abholzung verfielen die Böden der Erosion, die Ernten gingen massiv zurück. Es kam zu massiven Auseinandersetzungen um die letzten vorhandenen Ressourcen mitsamt Kannibalismus. 1877 wurden nur noch 111 Einwohner gezählt, 1888 griff Chile ein und annektierte die Insel. Seitdem ist Rapa Nui wirtschaftlich und politisch von Chile abhängig, erst 1966 erhielten die Einheimischen Bürgerrechte und konnten einen eigenen Bürgermeister wählen. Etwa 6.500 Menschen leben wieder auf der Osterinsel, rund 4.000 davon in der Hauptstadt Hanga Roa. Viele sprechen polynesisch und die Männer sind oft kunstvoll tätowiert, etwa 70 Prozent der Bevölkerung stammen von den Ureinwohnern ab. Der Einfluss der Vorfahren aus der Südsee ist unübersehbar, chilenisch sind für viele nur die Pässe und die Währung.

Der Einfluss der Vorfahren aus der Südsee ist unübersehbar
Der Einfluss der Vorfahren aus der Südsee ist unübersehbar

Rund 150.000 Touristen kommen mittlerweile pro Jahr, 90 Prozent mit dem Flugzeug aus Chile oder Tahiti. Die Landebahn des Flughafens ist überraschend modern, lang und gut ausgebaut, er wurde von der NASA mitfinanziert, die ihn als Ausweichflughafen bei Problemen mit dem Space Shuttle nutzen wollte. Der Rest sind knapp 15.000 Kreuzfahrer, die meist auf Weltreisen größerer Schiffe die Insel besuchen. Einige wenige kommen mit Expeditionsschiffen wie der L ´Austral, die in vierzehn Tagen von Tahiti über Moorea und Pitcairn zum Zielhafen Osterinsel gefahren ist und ihren Passagieren hier viel Zeit zum Entdecken bietet. Denn am nächsten Tag geht es zur Kultstätte Orongo, im Süden der Insel, auf einer Klippe hoch über dem Ozean gelegen.  Auf der einen Seite fällt die Steilwand 300 Meter zum Meer hinab, auf der anderen 200 Meter zum Kratersee des Vulkans Rano Kao. Von hier überblickt man den pazifischen Ozean und drei der Osterinsel vorgelagerte Motus, kleinen Riffinseln, die für den hier zelebrierten Vogelmann-Kult von Bedeutung sind: Mehr als einhundert Figuren und Symbole sind zu Ehren der Götter in den Boden gekratzt. Jeden Frühlingsanfang fand hier ein Wettbewerb statt, der vom König überwacht wurde. Die Vertreter jedes Clans mussten den steilen Abhang zum Meer hinunterklettern, durch Brandung und Strömung zum Motu Nui schwimmen und dort ein Ei des dort brütenden Manu-Tara-Vogels holen, um es dem Herrscher als Erster zu übergeben. Der Clan des Siegers hatte im nächsten Jahr das Sagen über die anderen Clans. Mit dem Zusammenbruch ihrer Zivilisation ging auch dieser Brauch für die Rapa Nui zu Ende. Geblieben sind die, wenn auch nahezu immer restaurierten und wieder neu aufgestellten, Moais. Und egal wie finster sie dreinschauen, die steinernen Riesen einer weltweit einzigartigen Kultur – wenn die Sonne in ihrem Rücken langsam im Ozean versinkt und die dunklen Statuen im leuchtenden Orange besonders gewaltig erscheinen, kann sich kaum jemand der Magie dieses Moments entziehen.

Weitere Informationen unter: http://chile.travel/de/