Die Halligen vor der Küste Schleswig-Holsteins sollten häufiger überflutet werden, damit sie als Lebensraum erhalten bleiben, fordert der WWF.

Klingt komisch, aber ist tatsächlich für die Natur auf den Halligen wichtig: Die kleinen Eilande vor der Küste Schleswig-Holsteins sollten häufiger überflutet werden. Denn gerade diese Landunter schaffen die charakteristischen Lebensräume wie Salzwiesen. Die Salzwiesen bieten jährlich rund 60.000 brütenden Küstenvögeln wie Austernfischern und Seeschwalben Schutz, dazu kommen die Zugvögel: Rund 10 Millionen in der Arktis brütende Wat- und Wasservögel machen außerhalb der Brutzeit im Wattenmeer Station. Viele von ihnen rasten auf den Halligen und fressen bei Niedrigwasser im Watt.

Der künftig schneller steigende Meeresspiegel gefährde aber die Natur auf den nordfriesischen Halligen, warnt jetzt der World Wildlife Fund (WWF). Auf den großen Halligen Hooge und Langeneß sind die Salzwiesen bereits stark ausgesüßt und liegen zu niedrig. Die Herausforderung sieht der WWF darin, für den steigenden Meeresspiegel Maßnahmen zu finden, die Küstenschutz und Naturschutz gleichermaßen gewährleisten. Das mittlere Höhenwachstum vor allem der großen Halligen liegt mit 1,5 mm (Hooge) bis 2,6 mm (Nordstrandischmoor) deutlich unterhalb des aktuellen mittleren Meeresspiegelanstiegs von 4,1 mm pro Jahr.

Nur durch Überflutungen können die Halligen mit dem Meer in die Höhe wachsen und salzig bleiben. Das ist eine unbequeme Erkenntnis, weil Landunter für die Halligbewohner, die sich dann trockenen Fußes nur auf ihren Warften  bewegen können, eine Erschwernis darstellen. Die Uferbefestigungen um die großen Halligen sollten aber so gestaltet werden, dass es bei hohen Wasserständen wieder häufiger Überflutungen gibt, bei denen sich Sand und Schlick aus dem Meerwasser auf dem Land absetzen. Steuerbare Sieltore wären eine Lösung. Damit lassen sich Überflutungen kontrollieren und das Wachstum mit dem Meeresspiegel fördern. Bei geeigneten Wasserständen könnten die normalerweise bei Flut geschlossenen Tore geöffnet werden. Weitere Vorschläge des WWF sind eine grünere Uferbefestigung sowie Sandaufspülungen statt Steinen zum Schutz einiger Halligufer.

Weitere Informationen unter:

www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Halligstudie.pdf