Die Meyer Werft in Papenburg steckt wegen des Corona-Virus in einer Krise: Es drohen Kurzarbeit und auch der Abbau von Arbeitsplätzen

Update 14.4.: Die MEYER Werft und das Unternehmen FASSMER beschließen den gemeinsamen Kauf des renommierten Schiffbau-Ingenieurbüros NEPTUN SHIP DESIGN in Rostock mit rund 100 Mitarbeitern. Das Unternehmen mit mehr als 30 Jahren Erfahrung und Kunden auf der ganzen Welt soll weiterhin eigenständig und in der bisherigen Struktur operieren. Zur Stärkung des Ingenieurbüros sollen zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Damit kann NEPTUN SHIP DESIGN auch künftig weltweit Kunden mit seinem anerkannt hohen Know-how bedienen, während gleichzeitig Projekte für die zwei deutschen Werftengruppen umgesetzt werden. MEYER und FASSMER stärken damit ihre Ausrichtung auf Entwicklung und Bau hochkomplexer Spezialschiffe, auf die sich der künftige Markt für Schiffsneubauten konzentrieren wird. Damit engagieren sich zwei erfolgreiche deutsche Spezialwerften, die in siebter und fünfter Generation als Familienunternehmen geführt werden, für den Erhalt qualifizierter Schiffbau-Arbeitsplätze in Deutschland. Eine Zustimmung des Kartellamts für die Übernahme steht noch aus. „Wir stärken mit unserem Engagement bei der NEPTUN WERFT, MEYER NEPTUN Engineering und nun bei NEPTUN SHIP DESIGN unseren Standort Rostock. Für uns ist dieses Engagement ein klares Bekenntnis zu diesem Standort.“, sagt Bernard Meyer, Geschäftsführer der MEYER WERFT. „Die Herstellung technisch komplexer Spezialschiffe ist sehr konstruktionsintensiv und erfordert viel Erfahrung. Mit NEPTUN SHIP DESIGN gewinnen wir einen Partner, der uns bereits in den vergangenen Jahren, beispielhaft auch bei dem Neubau der mit LNG betriebenen „ATAIR“, mit viel Kompetenz unterstützt hat. Der Spezialschiffbau wird auch künftig in Deutschland und Europa den Neubaumarkt dominieren. Wir sehen daher viel Potential in dieser Zusammenarbeit“, ergänzt Harald Fassmer, geschäftsführender Gesellschafter bei FASSMER. „Ich bin sehr froh, dass wir zwei renommierte deutsche Unternehmen gefunden haben, die die Arbeitsplätze bei NEPTUN SHIP DESIGN erhalten und das Unternehmen weiterentwickeln wollen“, sagt Dr. Christoph Morgen, Insolvenzverwalter der MV Werften.

Die MEYER Gruppe und FASSMER bauen damit ihre Kooperation weiter aus. Beide Werften entwickeln und bauen bis 2026 das neue deutsche Forschungsschiff METEOR IV. „An diesem Projekt wird auch NEPTUN SHIP DESIGN einen maßgeblichen Anteil haben und damit eine neue langfristige Perspektive erhalten. Zusätzlich planen wir, neue Ingenieure einzustellen. Diese Kooperation unterstützt uns dabei, unsere ambitionierten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Alle drei Unternehmen engagieren sich schon seit vielen Jahren dafür. Nun verleihen wir diesen Aktivitäten gemeinsam weiteren Rückenwind und können unsere Lösungen für eine nachhaltige Schifffahrt auch außerhalb unserer Werftengruppen anbieten.“, sagt Malte Poelmann, Chief Technology Officer der MEYER Gruppe. Besonders erfreulich ist, dass sich auch die langjährigen Geschäftsführer des Ingenieurbüros wieder als Gesellschafter engagieren werden. Unter der Geschäftsführung von Helge Sell, Stephan Merkel und Roland Gräber blickt NEPTUN SHIP DESIGN auf eine mehr als 30-jährige Geschichte zurück. In dieser Zeit hat NEPTUN SHIP DESIGN viele erfolgreiche Projekte, auch mit der NEPTUN WERFT und FASSMER, realisiert. Zuletzt war das Unternehmen Teil der insolventen MV Werften.

 

Update 14.3.: Die MEYER WERFT erweitert ihr Portfolio und will zukünftig auch  auf “Floating Real Estate” setzen, also schwimmende Immobilien. Im Joint Venture mit dem finnischen Unternehmen Admares Marine plant die Papenburger  Werft den Bau schwimmender Großimmobilien, in Turku, Papenburg und Rostock sollen komplette schwimmende Hotel- und Freizeitanlagen, Villen oder öffentliche Gebäude für wassernahe Städte entstehen. Das neue Joint-Venture firmiert unter dem Namen Meyer Floating Solutions, Meyer hält die Mehrheit an der Gesellschaft, die anfangs ein Kernteam von 20 Mitarbeitern umfasst. Die finnische Projektentwicklungsgruppe Admares Marine verfügt über viel Erfahrung und hat unter anderem in Dubai den künstlichen Strand für das Luxushotel Burj Al Arab gebaut. Mit der Produkterweiterung reagiert die Meyer Werft auch auf die schwierige Lage im Kreuzfahrtschiffbau, der aber Kerngeschäft bleiben soll.  Für die neue Floating-Sparte ist die Werft für erste Aufträge im Gespräch, auf dem Markt werden derzeit Projekte mit Volumina von 60 Millionen bis vier Milliarden Dollar verhandelt.

Update 3.1.: Die Corona Krise hat die Marktbedingungen für die MEYER WERFT wesentlich verändert, aber komplexe, umweltfreundliche Schiffe in den verschiedensten Formen sind immer noch gefragt. „Die 226-jährige Geschichte unseres Unternehmens hat uns besonders eins gelehrt: Unsere Umgebung ändert sich ständig und weil wir uns bisher schnell darauf eingestellt und verwandelt haben, haben wir auch heute noch eine gute Zukunft. Als Familienunternehmen sind wir für so einen Wandel gut aufgestellt, denn wir können schnell Entscheidungen treffen und gleichzeitig langfristig orientiert handeln.“, erklärt Geschäftsführer Bernard Meyer. „Die Herausforderung ist jeden Tag die notwendige Hochleistung beim Bau von unseren Schiffen zu erbringen und gleichzeitig systematisch den Wandel voran zu treiben.“, ergänzt Geschäftsführer Jan Meyer.

Das zeigt auch das Jahr 2021: Trotz Corona hat die MEYER WERFT zwei große und moderne Kreuzfahrtschiffe mit der Odyssey of the Seas (169.000 BRZ) und der AIDAcosma (183.000 BRZ) an zwei amerikanische Kreuzfahrtreedereien abgeliefert. „Gleichzeitig haben wir in 2021 an allen drei MEYER Standorten das Programm ‚MEYER Transformation‘ gestartet, um systematisch unsere Prozess zu verbessern und unsere Wettbewerbsfähigkeit so zu erhöhen. Jetzt arbeiten jeden Tag Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Bereichen an vielen Verbesserungsprojekten. Darauf bin ich stolz und freue mich, dass wir schon die ersten Erfolge erkennen können“, ergänzt Geschäftsführer Jan Meyer.

Das Jahr 2021 war auch gekennzeichnet durch die Verhandlungen zum notwendigen Personalabbau, die im Juli 2021 zu einer beiderseitig verbindlichen Vereinbarung mit dem Betriebsrat führte. Die Rahmenbedingungen und insbesondere die Auftragslage haben sich seit der Bestätigung der Vereinbarung durch die Gremien des Betriebsrates nicht verändert. „Dank dieser Veränderungen und weiteren intelligenten Lösungen ist es uns gelungen, tausende Arbeitsplätze in den Regionen Emsland und Ostfriesland zu erhalten, obwohl sich unsere Arbeitslast in den kommenden Jahren mit 40 Prozent Rückgang nahezu halbiert. Wir haben durch viele Maßnahmen wie beispielsweise Stipendien und Umschulungen erreicht, dass 90 Prozent unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben können“, so Jan Meyer weiter. Die wirtschaftlichen Ergebnisse zeigen jedoch die harten Auswirkungen der Krise. Die deutsche MEYER Gruppe hat im Jahr 2020 einen hohen Verlust von rund 180 Millionen Euro zu verbuchen. „Um diesen Verlust zu kompensieren und Fehlbeträge in Zukunft möglichst zu vermeiden, haben wir in diesem Jahr bereits viele Anstrengungen unternommen. Diese besonderen Anstrengungen werden auch in den kommenden Jahren notwendig sein. Wenn alle dabei an einem Strang ziehen, werden wir auch wieder Gewinne erwirtschaften. Wir müssen unsere Verluste kompensieren und ein attraktiver Partner für unsere finanzierenden Banken sein. Abgesehen davon sind diese Gewinne erforderlich, um in Papenburg und Rostock investieren zu können. Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken, und da muss jeder mit anpacken“, führt Jan Meyer weiter aus.

 Neue Schiffe mit neuen Ideen

„Ein weiter Schlüssel für unseren Wandel für eine langfristige Zukunft, waren und sind neue Aufträge und sowie neuerdings auch die Ergänzung unseres Produktportfolios.“, erklärt Geschäftsführer Thomas Weigend. Aufgrund der anhaltenden Krise in der Kreuzfahrtbranche hat die MEYER WERFT ihr Produktportfolio 2021 mit kleineren Schiffen und neuen Schiffstypen erweitert. Dank dieser Diversifizierung kann Beschäftigung am Schiffbaustandort gesichert werden. Mit dem Auftrag der japanischen Reederei NYK (52.000 BRZ) hat die MEYER WERFT 2021 den ersten Auftrag für ein Kreuzfahrtschiff seit Beginn der Pandemie erhalten. Das kleine und exklusive Schiff mit 228,9 Metern Länge soll 2025 abgeliefert werden. „Diesen Auftrag haben wir dank unseres überzeugenden Schiffskonzepts, aber auch wegen eines harten Preisangebots bekommen. Mit den Verbesserungen aus unserem MEYER Transformation Programm wird dieses Schiff aber ein Erfolg“, ist sich Thomas Weigend sicher. Ende Juli vereinbarte die MEYER WERFT eine Absichtserklärung über den Bau eines Appartementschiffes, der M/Y Njord (81.000 BRZ), das zusätzlich zu einem LNG-Antrieb auch über eine Hybrid-Batterie-Anlage verfügt und ozeanografische Forschungseinrichtungen an Bord haben wird. Noch steht dieser Auftrag allerdings unter einem Finanzierungsvorbehalt. „Wir setzen bei allen Gesprächen mit Reedereien auf nachhaltige Antriebe und neue Ideen für Schiffskonzepte. Vieles ist bereits einsatzbereit, wie die weltgrößte Brennstoffzellen-Installation an Bord der Silver Nova zeigt. Ihren Bau haben im November begonnen“, sagt Geschäftsführer Thomas Weigend.

Dank eines innovativen Treibstoffkonzepts mit emissionsarmem LNG, einem Brennstoffzellensystem für den gesamten Hotelbetrieb sowie Batterien verfügt die Silver Nova über die bestmöglichen Maßnahmen, um Emissionen zu reduzieren. Schon heute liegt der Neubau beim Energy Efficiency Design Index (EEDI) 25 Prozent über den Vorgaben der IMO. Das 4 Megawatt starke Brennstoffzellensystem wird ergänzend zu den LNG-Maschinen als erste große Installation dieser Art in der Kreuzfahrtbranche für die Stromversorgung des Schiffes eingesetzt und den gesamten Hotelbetrieb versorgen. Somit werden Schadstoffemissionen während der Liegezeiten im Hafen vollständig vermieden. Zusätzlich erhöht ein Batteriesystem durch das Abfangen von Lastspitzen die gesamte Effizienz des Schiffes und reduziert so den Treibstoffverbrauch erheblich. Ein neu entwickeltes Micro Auto Gasification System (MAGS) reduziert das Abfallvolumen an Bord, was zu nochmals geringeren Verbrennungsemissionen führt. Mit der Vorstellung von MEYER Yachts auf der Monaco Yacht Show hat die MEYER Gruppe den Einstieg in ein weiteres Segment bekanntgegeben. Das vollständig mit Brennstoffzellen und Batterien betriebene Megayacht-Konzept ONE 50 hat für großes Aufsehen gesorgt und sehr positives Feedback aus der Branche erhalten. „Auch bei Megayachten setzen wir selbstverständlich voll auf Innovation und Nachhaltigkeit. Hinzu kommt, dass wir in unseren überdachten Baudocks Schiffsgrößen realisieren können, die andere Werften nicht bieten können“, erklärt Geschäftsführer Bernard Meyer.

Stärkung durch MEYER GLOBAL ENGINEERING

Um die Fertigung mit kleineren und neu-artigen Schiffsprojekten auszulasten, ist im Verhältnis (pro BRZ) eine deutlich höhere Engineering Leistung nötig. Daher hat die MEYER Gruppe in 2020 begonnen alle Engineering Fähigkeiten international in einer virtuellen Global Engineering Organisation zu bündeln und in 2021 begonnen massiv im Bereich Engineering zu rekrutieren. „Es klingt paradox, aber es ist nun einmal Teil eines komplexen Wandels mit komplexen Produkten und Prozessen: Wir schaffen im Engineering über 100 neue und zusätzliche Arbeitsplätze, während wir in anderen Teilen des Unternehmens abbauen und der Erfolg der Stärkung des Engineerings ist gleichzeitig der Schlüssel um die Arbeitsplätze in der Fertigung zu sichern. Alle daran Beteiligten tragen hier alle eine große Verantwortung diesen Wandel zu einem Erfolg zu machen. Nur mit diesem Wandel können wir eine gute langfristige aber andere Zukunft bauen.“, kommentiert Weigend.

Covid-Präventionsstrategie erfolgreich

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat die MEYER WERFT ebenfalls Handlungsstärke im Bereich der präventiven Fürsorge für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewiesen. Unter der Führung von MEYER Port 4 wurden 2021 rund 165.000 Antigentests und 16.000 PCR-Tests durchgeführt sowie mehr als 155.000 Selbsttests an die Mitarbeiter ausgegeben. Das hat bereits frühzeitig dazu geführt, dass das Infektionsrisiko minimiert werden konnte und die vierte Welle auf dem Werftgelände nahezu ausgeblieben ist. Seit Mitte Dezember ist am Tor 5 der MEYER WERFT zudem ein öffentliches Testzentrum in Betrieb. Die Mitarbeiter der MEYER Gruppe am Standort Papenburg haben ebenfalls Verantwortung gezeigt und die vielseitigen Impfangebote auf dem Werftgelände genutzt. Durch den Betriebsarzt, weitere Ärzte sowie Impfteams des Landkreises Emsland wurden seit dem Sommer mehr als 3000 Erst- und Zweitimpfungen, über 1.700 Boosterimpfungen (seit Dezember) und mehr als 1.700 Impfungen bei Mitarbeitern von Partnerunternehmen durchgeführt. Dazu kommen weitere 900 Booster-Impfungen bei Teilnehmern der Probefahrt der AIDAcosma im November und Dezember.

Ausbildung und Duales Studium

Die Ausbildung und das duale Studium sind Investitionen in die Zukunft der MEYER WERFT. Das Unternehmen setzt gerade in der Krise auf eine weitere Intensivierung der Ausbildung und des dualen Studiums. Deshalb wurde in diesem Jahr der neue Ausbildungsberuf des/der Produktionstechnologen/in in Verbindung mit einem durchgängigen Fortbildungskonzept im Bereich des Studiums im Prozessmanagement eingeführt. Dieser Beruf gehört zu der neuen Berufsgruppe Industrie 4.0 und ist damit ein weiterer deutlicher Schritt zur Zukunftssicherung.

2022 wieder zwei neue Kreuzfahrtschiffe

Auch 2022 liefert die MEYER WERFT wieder zwei Kreuzfahrtschiffe an internationale Kunden ab. Im Frühjahr wird die Disney Wish für Disney Cruise Line fertiggestellt, die mit einem aufwändigen Hotelbereich mit einer Vielzahl von modernsten Entertainment-Installation und einer neuartigen Wasserrutsche neue Highlights auf See bringen wird. Im Herbst folgt die ARVIA für die Reederei P&O Cruises, die maßgeschneidert für britische Passagiere sein wird.

 

Update 15.10.: Die Meyer-Werft, die von der Corona-Krise und dadurch verschobene Neubauten hart getroffen worden ist, hat Aussichten auf eine Millionenhilfe: Das Land Niedersachsen und der Bund beraten über eine Geldspritze für die Papenburger Werft. Dabei soll es um bis zu zwölf Millionen Euro gehen, die als sogenannte Härtefallhilfe fließen könnten.

Update 30.7.: Bei der Meyer-Werft sollen in der Corona-Krise 450 Arbeitsplätze abgebaut werden. Diese Einigung stellten Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall der Belegschaft vor. Wegen des Stillstands in der Kreuzfahrtbranche hat die Werft 40 Prozent weniger Arbeit und muss 1,2 Milliarden Euro einsparen. Die Werft-Führung hatte zunächst geplant, mindestens 660 Stellen abzubauen. Von den 3900 Meyer-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern in Papenburg sollen 350 auf der Werft und 100 bei der Tochter Ems Maritime Systems (EMS) gehen.

Update 7.6.: Die Geschäftsführung der Meyer Werft hat ihre Mitarbeiter über einen Stellenabbau abstimmen lassen. Im Anschluss an eine online durchgeführte Informationsveranstaltung stimmten 93 Prozent von rund 1500 teilnehmenden Mitarbeitern für den von der Werft-Leitung vorgeschlagenen Weg. Dieser sieht vor, dass 660 Jobs wegfallen sollen, wenn die restliche Belegschaft bereit ist, 200 unbezahlte Überstunden im Jahr zu leisten. Für den zweiten der beiden Vorschläge, nach dem ohne Mitarbeiterbeitrag 1000 Stellen wegfallen sollen, gab es nur wenige Stimmen. Der Betriebsrat kritisierte das Vorgehen der Geschäftsführung als rechtswidrig, man habe einen Versuch unternommen, die Belegschaft zu spalten. Außerdem sei eine solche Aktion mitbestimmungspflichtig, die Arbeitnehmervertretung aber nicht beteiligt worden. Der Betriebsrat will nun eine Betriebsversammlung organisieren. Bei der Meyer Werft in Papenburg arbeiten derzeit noch 3.600 Mitarbeiter direkt und knapp 900 Mitarbeiter in Tochterfirmen.

Update 22.5.: Die Meyer Werft steckt durch die Folgen der Corona-Krise und deren Auswirkungen auf den Kreuzfahrtmarkt in einer schwierigen Situation,  weil Aufträge aus der Kreuzfahrtbranche ausbleiben. Die größte deutsche Werft hat ihren Auftragsbestand bereits gestreckt und liefert die Schiffe bis 2025 langsamer aus. Insgesamt wird die Meyer Werft nach Schätzungen von  Geschäftsführer Bernard Meyer rund 40 Prozent weniger Arbeit habe. Darum muss Meyer in den nächsten Jahren etwa 1,2 Milliarden Euro einsparen und  zwangsläufig die Zahl der Mitarbeiter senken.  Von den 4500 Arbeitsstellen bei der Werft und deren Tochterfirmen sollen 660 wegfallen. Allerdings könnte die Zahl noch höher ausfallen, denn Voraussetzung für die Begrenzung auf 660 Stellen ist,  dass alle Angestellten und Arbeiter  der verbleibenden Belegschaft  200 unbezahlte Arbeitsstunden im Jahr leisten. Sowohl der Betriebsrat und als auch die IG Metall sperren sich allerdings bereits jetzt gegen betriebsbedingte Kündigungen und fordern, weniger Arbeit an Werkvertragsfirmen auszulagern.

Update 18.3.: Die Meyer Werft in Papenburg hat im vergangenen Jahr durch die Auswirkungen der Corona-Krise auf den weltweiten Kreuzfahrt-Markt einen hohen zweistelligen Millionenverlust gemacht. Für das Jahr 2020 ist ein negatives Ergebnis in Höhe von etwa 70 Millionen Euro zu erwarten. Im Jahr 2019 betrug der Gewinn der Werftengruppe noch 17 Millionen Euro, im Jahr davor waren es noch 51 Millionen Euro. Bereits im Januar hatte die Geschäftsführung die Belegschaft informiert, dass das Unternehmen für 2020 von einem hohen Verlust ausgeht. Senior-Chef Bernard Meyer sagte in einer Videobotschaft auf der Homepage der Werft an die Belegschaft gewandt, dies sei die größte Krise, die er je erlebt habe. Es drohten erhebliche Einschnitte für die Belegschaft, man müsse in allen Bereichen nicht nur über Kurzarbeit, sondern auch über den Abbau von Arbeitsplätzen nachdenken. Bis 2023 sei die Auftragslage gut. Einige Kunden hätten ihm allerdings bereits signalisiert, dass sie die bestellten Schiffe nicht mehr benötigten. Um Stornierungen zu verhindern, hatte sich die Werft mit ihren Kunden auf eine Streckung des Auftragsbuches einigen können. Dabei werden Aufträge, die eigentlich bis 2023 geplant waren, nun bis 2025 abgearbeitet.  Wegen der Verschiebung des Bauprogramms von jährlich drei abzuliefernden Schiffen auf zwei Ablieferungen pro Jahr wird der Konzern in den nächsten Jahren einen durchschnittlichen Jahresumsatz von etwa 1,6 Milliarden Euro erzielen. Meyer rechnet zudem damit, dass es in den nächsten drei Jahren kein Neugeschäft gibt. Die Branche werde wohl bis zum Jahr 2030 brauchen, um sich von der Krise zu erholen.

Weil die Kreuzfahrtbranche in der Corona-Pandemie stillliegt, muss die Werft 40 Prozent Kapazität einsparen und will mehr als 600 Arbeitsplätze abbauen. Darüber hinaus werden von den restlichen Beschäftigten 200 unbezahlte Arbeitsstunden im Jahr verlangt.

Weitere Informationen unter https://www.meyerwerft.de/de/index.jsp

Ursprungsmeldung: Die Meyer Werft in Papenburg steckt wegen des Corona-Virus und den damit verbundenen Auswirkungen in einer Krise. Senior-Chef Bernard Meyer sagte in einer Videobotschaft auf der Homepage der Werft an die Belegschaft gewandt, dies sei die größte Krise, die er je erlebt habe. Es drohten erhebliche Einschnitte für die Belegschaft, man müsse in allen Bereichen nicht nur über Kurzarbeit, sondern auch über den Abbau von Arbeitsplätzen nachdenken. Bis 2023 sei die Auftragslage gut. Einige Kunden hätten ihm allerdings bereits signalisiert, dass sie die bestellten Schiffe nicht mehr benötigten. Um Stornierungen zu verhindern, werde die Produktion nun gestreckt. Meyer rechnet zudem damit, dass es in den nächsten drei Jahren kein Neugeschäft gebe. Die Branche werde wohl bis zum Jahr 2030 brauchen, um sich von der Krise zu erholen.

Die Geschäftsführung will die bestehenden Aufträge zeitlich möglichst lange strecken, weil sie befürchtet, dass kaum neue Bestellungen für Kreuzfahrtschiffe kommen werden. Daher werde die Werft die jährliche Produktion von drei auf zwei Schiffe reduzieren. Dies bedeutet dann alles in allem knapp 40 Prozent weniger Arbeit. Für die rund 3.600 Mitarbeitern der Werft kam die Videoansprache ihres Chefs überraschend, laut Betriebsrat sorgte das Statement für Unruhe in der Belegschaft.  Allen sei klar gewesen, dass es wegen Corona Probleme in der Kreuzfahrtindustrie und damit auch für die Werften, auf denen die Neubauten entstehen, gebe, von einem Stellenabbau sei bislang aber nicht die Rede gewesen. Wenn es dazu kommen sollte, dürfe es nicht die Stammbelegschaft treffen. Die Leidtragenden wären dann in erster Linie wohl Tausende sogenannte Leih-Arbeiter, die über Werkverträge beschäftigt sind. Die Anzahl der Fremdfirmen würde in einem solchen Fall vermutlich massiv reduziert. Dies hat auch Auswirkungen auf Arbeitsplätze in der gesamten Region: Denn die Probleme der Meyer Werft werden auch alle Zulieferbetriebe massiv zu spüren bekommen. In den Landkreisen Leer und Emsland hängen insgesamt rund 4.000 weitere Vollzeitstellen direkt oder indirekt mit der Werft zusammen.

Erste Maßnahmen wie Arbeitszeitverkürzungen und Homeoffice wurden bei der Meyer Werft bereits umgesetzt: Schichten wurden verkürzt, teilweise Heimarbeit beauftragt. Einen Vorschlag der Arbeitnehmervertretung, die Belegschaft zu teilen und wochenweise abwechselnd arbeiten zu lassen, lehnte die Geschäftsführung ab.

Das Video von Firmenchef Bernhard Meyer ist zu finden unter https://www.meyerwerft.de/de/corona_praevention/praeventionsvideos.jsp