Buchkritik / Rezension "Die Spur der Wölfe", Francesco Guccini/ Loriano Macchiavelli, btb Verlag. Schöner italienischer Regionalkrimi mit interessanten, eigenwilligen Charakteren

Die Spur der Wölfe ist der letzte Band einer dreiteiligen Reihe um den italienischen Forstinspektor Marco Gherardini, der sein Revier rund um die kleinen Bergdörfer des Apennins hat. Das Buch ist aber in sich geschlossen und schlüssig, der Leser braucht nicht unbedingt die Vorgängerbücher „Schlechte Saison“ sowie „Trübe Aussichten“ gelesen zu haben, um Handlung und handelnde Personen zu verstehen. Dass ein Forstinspektor in Italien kein Förster ist, sondern Polizist, der Wilderer, Umweltverschmutzer oder Brandstifter zur Strecke bringt, ist dem Leser schnell klar.

Die Serie spielt in den Wäldern des Apennins, in diesem Band geht es vor allem um eine Kommune von Aussteigern, deren Mitglieder sich „Elben“ nennen. Sie haben sich in verlassenen Dörfern niedergelassen und leben, ohne Strom und meist auch ohne fließendes Wasser, vom Tauschhandel. Dafür scheint die Gemeinschaft hochsozial: wer vorbeikommt, wird zum Essen eingeladen und jedem, der um Obdach bittet, wird geholfen. Das zieht Gleichgesinnte an und in diesem Jahr soll ein großes, internationales Fest, das Rainbow-Festival, stattfinden. Menschen aus aller Welt trudeln ein, doch dann wird im Wald ein toter „Elbe“ gefunden, den niemand zuvor gesehen oder bemerkt haben will.  Gherardini beginnt zu ermitteln.

Das Besondere an dieser Krimireihe sind die beiden Autoren: Francesco Guccini ist einer der bedeutendsten italienischen Liedermacher und im ganzen Land beliebt. Sein Freund Loriano Macchiavelli gehört zu den erfolgreichsten Krimiautoren des Landes, im Jahr 2007 erhielt er den „Premio Giorgio Scerbanenco“ für den besten Kriminalroman des Jahres. Macchiavelli gilt als Begründer des modernen italienischen Kriminalromans und schuf 1974 den populärsten Charakter dieses Genres in Italien: den Kommissar Antonio Sarti. Die Autoren leben im Apennin und schrieben gemeinsam bereits die fünfbändige Krimiserie um Maresciallo Benedetto Santovino, die ebenso dort spielt wie die neueren Geschichten um den Forstinspektor Marco Gherardini, spielt. Mit ihren Kriminalromanen belegen die beiden Freunde regelmäßig die ersten Plätze der Bestsellerlisten in Italien.

Das liegt vor allem an der bildhaften Sprache und dem pfiffigen Sprachwitz der beiden Autoren. Sie lassen sich viel Zeit, um die handelnden Figuren einzuführen, dazu kommen die wirklich schönen, atmosphärischen und stimmigen Beschreibungen eines Landstrichs und seiner Bewohner sowie deren Lebensart. Das mag der ein oder andere Leser etwa langatmig finden, aber weil die Autoren sich diese Zeit nehmen und so glänzend beschreiben können, entsteht eine sehr dichte Atmosphäre. Viele Nebendarsteller runden die Geschichte mit bunten und ungewöhnlichen Charakterdarstellungen ab. Es sind recht viele Charaktere und Orte die in diesem Buch vorkommen. Damit der Leser nicht den Überblick verliert, gibt es gleich zu Beginn des Buchs eine Liste mit der Vorstellung von mehr als 40 Menschen, die kurz charakterisiert werden.

Die eigentliche Detektivgeschichte entwickelt sich zunächst recht zaghaft, dann aber immer eindringlicher. Die Spannung nimmt im Laufe des Buches stetig zu und gerade im letzten Drittel richtig Fahrt auf.  Es endet mit einer recht unvorhersehbaren Auflösung. Ein „Ökothriller”, wie auf dem Cover vermerkt ist dies eher nicht, denn dazu fehlt der Nervenkitzel. Eher ein sehr schön geschriebener italienischer Regionalkrimi, eine überzeugende Geschichte mit interessanten, eigenwilligen Charakteren. Ein ungewöhnlicher Krimi, kein Buch für kurz mal zwischendurch, dafür sind die liebevollen Beschreibungen von Land und Leuten zu lang sowie die Geschichte zu komplex.

Die Spur der Wölfe

Francesco Guccini/ Loriano Macchiavelli

btb Verlag

Taschenbuch, broschiert, 320 Seiten, 10 Euro

ISBN: ‎ 978-3442717736

Weitere Informationen unter https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Die-Spur-der-Woelfe/Francesco-Guccini/btb/e543865.rhd