Rezension WORLD OCEAN REVIEW 7, herausgegeben von maribus (gemeinnützige Stftung), neueste Meeresforschung, kostenlos bestellbar

Der „World Ocean Review“ ist eine einzigartige Publikation über den Zustand unserer Meere und spiegelt den aktuellen Stand der Wissenschaft wider. Um die Öffentlichkeit für meereswissenschaftliche Zusammenhänge zu sensibilisieren und somit zu einem wirkungsvolleren Meeresschutz beizutragen, gründete der mareverlag 2008 die gemeinnützige Gesellschaft maribus. Kein kommerzieller Gedanke, sondern allein eine möglichst hohe Aufmerksamkeit für die Belange der Meere sollte im Vordergrund stehen. Vor elf Jahren erschien der erste „World Ocean Review“, jetzt liegt eine neue Ausgabe vor. Wie alle anderen Bände ist auch dieser kostenlos und kann als pdf oder Heft bestellt werden unter https://worldoceanreview.com/de/bestellen/

Im Fokus der siebten Ausgabe des »World Ocean Review« stehen die Auswirkungen des Klimawandels auf die Physik des Meeres und auf seine Lebensgemeinschaften; die Folgen von Fischerei, Schifffahrt, Ressourcenabbau, Energiegewinnung und Meeresverschmutzung sowie die Fragen, wie sich Wirkstoffe aus dem Meer nutzen lassen und wie der Ozean künftig so verwaltet werden kann, dass sowohl sein Schutz als auch die Teilhabe möglichst aller Menschen an seinen Leistungen und Gütern gewährleistet sind. Dabei zeigt der neue WOR in allen Themenfeldern umfassende Lösungen für eine nachhaltige Meeresnutzung auf, beschreibt Best-Practice Beispiele und verweist auf eine Vielzahl internationaler Meeresschutz-Abkommen, die wichtige Instrumente darstellen, deren Umsetzung jedoch bis heute vielerorts nicht gelingt.

Die wachsende öffentliche Aufmerksamkeit für die Belange der Weltmeere kommt keine Sekunde zu früh. Der Ozean wankt und mit ihm einer der Grundpfeiler unserer menschlichen Existenz, denn tatsächlich ist jeder Erdbewohner auf die eine oder andere Art auf ihn angewiesen.

Die Meere regulieren das Klima auf der Erde und machen ihn zu einem bewohnbaren und lebenswerten Planeten. Sie verteilen die Wärme aus den Tropen über den gesamten Erdball, speisen den Wasserkreislauf mit Feuchtigkeit, bremsen durch die Aufnahme von riesigen Mengen an Kohlendioxid und Wärme den Klimawandel und produzieren den Sauerstoff für jeden zweiten Atemzug eines Menschen. Sie stellen den größten und artenreichsten Lebensraum der Erde dar, versorgen mehr als drei Milliarden Menschen mit tierischem Eiweiß und ­bieten Abermillionen eine Einkommensquelle – sei es in der Fischerei, im Meeres­tourismus, in der Seeschifffahrt, in der rohstoff­fördernden Industrie, im Sektor der erneuer­baren Energien oder aber in Wirtschaftszweigen, die Material bzw. Wirkstoffe aus dem Meer verarbeiten. Je gesünder und widerstandsfähiger der Ozean, so viel ist mittlerweile klar, desto besser ergeht es der Menschheit, heute und künftig.

Wie der Rest des Planeten Erde sind unsere Meere aber Schauplatz gleich dreier menschengemachter Krisen – des Klimawandels, des globalen Artensterbens sowie einer zunehmenden Verschmutzung. Jede dieser drei Krisen stellt für sich allein betrachtet schon ein existenzielles Problem für den Ozean dar, im Dreierpack aber verstärken sich die Auswirkungen. Wenn uns die aktuelle Krisenlage der Weltozeane eines lehrt, dann die Erkenntnis, dass er nicht losgelöst vom Geschehen an Land, in der Atmosphäre und in der Gesellschaft betrachtet werden kann. Die Gesundung des Meeres kann daher nur gelingen, wenn der Mensch an vielen Stellschrauben gleichzeitig dreht.

Es muss

  • zonen-, sektoren- und gegebenenfalls auch grenzübergreifend konzipiert, finanziert und umgesetzt werden
  • tatsächlich alle Akteure von Anfang an in die Entscheidungsprozesse miteinbeziehen – vor allem auch die lokal betroffene Bevölkerung;
  • transparent, sozial gerecht und durchlässig für innovative Nischenlösungen sein
  • darauf abzielen, die Ökosysteme des Meeres zu stärken und verlorene Meeres- und Küstenlebensräume weitestgehend wiederherzustellen
  • -Maßnahmen nutzen, von denen sowohl der Klima- und Biodiversitätsschutz als auch die lokale Bevölkerung bestmöglich profitieren
  • umweltgefährdende Subventionen streichen und die Gelder in nachhaltige Projekte investieren
  • möglichst alle Entscheidungen wissensbasiert fällen und Evaluationsmaßnahmen einplanen, die eine regelmäßige Erfolgskontrolle ermöglichen

Welche strukturellen Veränderungen benötigt werden, um diesen Prozess anzustoßen und alle Ziele zu erreichen, darüber gehen die Expertenmeinungen weit auseinander. Während einige Fachleute einen radikalen Wandel unseres Wirtschafts- und Wertesystems für notwendig erachten, um den weltweiten Klimawandel, das Artensterben und die Verschmutzungskrise zu stoppen, argumentieren andere, dass erst einmal alle bestehenden Meeresvorschriften und -regelungen konsequent umgesetzt werden müssten. Die Gesundung des Ozeans voranzutreiben, kann nur gemeinschaftlich gelingen.