Buchbesprechung "Der Choreograph" von Hakan Nesser, schön zu lesen, aber bedarf einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Inhalt.

Der Choreograph ist das erste Buch von Hakan Nesser, ist aber erst jetzt – aus Anlass seines 70. Geburtstages – erstmals auf Deutsch erschienen. Der Debütroman wurde erstmals 1988 verlegt und hat auf den ersten Blick nicht viel mit dem Genre zu tun, für das der schwedische Starautor berühmt wurde: die Krimireihe um den Kommissar Van Veeteren aus einem fiktiven europäischen Land mit der Hauptstadt Maardam sowie die späteren Inspektor-Barbarossi-Krimis. Die zehn Folgen der Van Veeteren-Reihe, die auch umfassend verfilmt wurden, kamen zwischen 1993 und 2003 auf den Markt und wurden mehr als zwölf Millionen Mal in mehr als 25 Ländern verkauft. Zwischen diesem Debütroman und dem Beginn der erfolgreichen Krimi-Reihe liegen also fünf Jahre, trotzdem kann man das Buch wie ein Vorwort oder einen Auftakt zu Nessers Büchern betrachten. Denn in „Der Choreograph“ wird eine Liebesgeschichte erzählt, die zum Thriller wird. Dabei handelt es sich aber auch um ein literarisches Werk, was nicht alle erfreuen wird, die einen Krimi aus purer Unterhaltung lesen.

Der Choreograph ist aus Erzählerperspektive geschrieben, über die Kapitel lernt man den Protagonisten, dessen Namen man nie erfährt, durch seine Handlungen und Reaktionen kennen. Die Anonymität ist gewollt und passt zur immer düsterer und mysteriöser werdenden Buchatmosphäre. Denn der Hauptcharakter begegnet einer Frau, die sein Leben für immer nachhaltig verändern wird. Nesser hat bereits in diesem Erstlingswerk ein Händchen dafür, den Leser auf eine spannende Reise mit zu nehmen, die durch die bildhafte Sprache unterstützt wird. Er tut das auf eine ruhige, fast philosophische Art und Weise, lässt aber die Hauptfigur direkt und gleichzeitig völlig undurchsichtig berichten. Diese Kombination, noch gefördert durch die sich kapitelweise abwechselnden Zeiten und Orte, fordert hohe Konzentration vom Leser, der sich mit diesem Buch auseinandersetzen muss,  um zu einer eigenen Bewertung der Ereignisse zu kommen: Denn das Ende ist offen, auch wenn sich die Erzählstränge sich am Schluss zusammenfügen. Ein außergewöhnliches Werk, gerade für ein Debüt. Wer Freude an Interpretationen, eigenen Gedanken zum Geschehen und Kopfkino hat, ist mit „Der Choreograph“ bestens bedient: Das Buch ist schön zu lesen,aber bedarf einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Inhalt.

 

Der Choreograph

Hakan Nesser

btb Verlag

Gebunden, mit Umschlag, 256 Seiten, 20 Euro

ISBN: 978-3442758777