Buchkritik/Rezension BLUTRAUSCH.VIRAL Mark Benecke, Benevento Verlag. Unterhaltsamer Krimi mit topaktuellen Bezügen, ungewöhnliche Handlung.

In „Viral.Blutrausch“ tauchen die Leichen von zwei jungen Frauen in einer deutschen Großstadt an unterschiedlichen Fundorten auf. Der Gerichtsmediziner macht eine grausige Feststellung: Den Frauen wurden mit chirurgischer Präzision nahezu ihr gesamtes Blut abgenommen. Schnell spricht die Presse von „Schneewittchen“- bzw. „Vampir-Morden“. Die Polizei findet keine Spur und ist ratlos, die Bevölkerung zunehmend verunsichert. Der ehemalige Polizist und jetzige Privat-Ermittler Bastian Becker wird als Berater zum Fall hinzugezogen und macht sich auf die Suche nach dem Täter.

Doch die Ermittlungsarbeit im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit gestaltet sich äußerst schwierig, die Stimmung in der Bevölkerung kippt, es kommt zu Verschwörungsmythen im Internet, die sich viral verbreiten und in Demonstrationen wütender sogenannter Querdenker, Aluhut- und Bedenkenträger entladen. Nach und nach entwickeln sie sich zu einer ganz eigenen, echten Bedrohung. Das ruft die Politik auf den Plan: Der Innenminister drängt auf rasche Ergebnisse, der Polizeiapparat wird unter Druck gesetzt und macht darum erst recht fast fatale Fehler, um die Ermittlungen möglichst schnell abzuschließen. Eine Verhaftung wird zum Schnell- und damit zum Fehlschuss, die Partnerin aus Beckers Ermittlerbüro gerät in eine bedrohliche Falle.

Mark Benecke, geb. 1970, ist Kriminalbiologe, er arbeitet zu rechtsmedizinischen Fragen und der Biologie des Todes. Er war insektenkundiger Gutachter in bekannten Kriminalfällen und arbeitet auch als wissenschaftlicher Berater für Fernsehsender. Seine Sachbücher stürmten bislang regelmäßig die Bestsellerlisten. Doch wer erwartet, dass Benecke auch in „Viral.Blutrausch“ seine speziellen Kenntnisse und Methoden einarbeitet, wird enttäuscht werden. Genau dies hat der Autor nicht getan, denn er wollte einen lupenreinen Krimi vorlegen, der nicht auf seinen speziellen Kenntnissen beruht.

Dieser Krimi ist solide aufgebaut, die Auflösung ist schlüssig. Der Schreibstil ist flüssig, liest sich locker und lässt die Seiten verfliegen. Der Fall ist mysteriös, die Spannung des Buches liegt vor allem darin, ihn zu begreifen und sich nicht durch falsche Spuren oder die persönlichen Befindlichkeiten handelnder Personen ablenken zu lassen. Die Spannung wird dabei nur langsam aufgebaut, steigert sich aber gegen Ende bis zum Schluss enorm, dem Leser wird ein furioses Finale präsentiert. Die handelnden Personen weisen einige Brüche in Charakter und Handlungen auf, die zwar durch die Vergangenheit, die für die Protagonisten prägend war, erklärt werden könnten, aber leider wird dies nur angerissen. So fehlt den Figuren etwas die Tiefe, die Charaktere haben noch einiges an Entwicklungspotenzial. Dabei sind einige Ideen Beneckes nicht nur ungewöhnlich, sondern im aktuellen Bezug sehr originell, gut umgesetzt und auch gesellschaftskritisch – vor allem, wenn es um Verschwörungsmythen, Fake News und deren Auswirkungen auf die Öffentlichkeit geht.

Bei einem Bestsellerautor wie Mark Benecke liegt die Latte höher als bei unbekannten Debütanten. Das mag unfair erscheinen, ist aber bei den vielen, wohlverdienten Vorschusslorbeeren nur natürlich. Aber ein Krimi ist etwas anderes als ein Sachbuch, so geht dieses Buch als Reihenauftakt zwar in Ordnung, ist aber nicht so herausragend wie die bisherigen Werke von Benecke. Trotzdem keine Enttäuschung, sondern ein unterhaltsamer Krimi, mit topaktuellen Bezügen und ungewöhnlicher Handlung.

Viral.Blutrausch

Mark Benecke

Benevento Verlag

Gebunden, 240 Seiten, 20 Euro

Weitere Informationen unter https://www.beneventobooks.com/produkt/viral-blutrausch/