Buchkritik / Rezension "Coup", Johann Palinkas, Benevento Verlag. Sehr guter Politthriller, erstaunlich reif für den Erstling eines so jungen Autors

Ein Coup, also die Machtübernahme durch das Militär mit einem Putsch? In der Bundesrepublik Deutschland undenkbar, oder? Autor Johann Palinkas zeichnet in seinem Erstlingsroman „Coup” aber genau dieses düstere Bild: Korruption und Machtmissbrauch in der Politik, die zu dem Versuch eines militärischen Staatsstreichs in Berlin führen.

Ein abgeschossener Kampfjet über der Ostsee stürzt die EU ins Chaos. Während die NATO-Bündnispartner streiten, wie auf den drohenden militärischen Konflikt reagiert werden soll, planen Außenministerin und Verteidigungsminister, den ungeliebten, weil zu zaudernd und friedensbewegt, deutschen Kanzler loszuwerden. Das Ausmaß der Intrigen entwickelt sich für den Leser dabei nach und nach, denn es geht nicht nur um Machtpolitik, sondern vor allem um Ego-Tripps. Die Geschichte wird über mehrere Handlungsstränge und einige Personen erzählt: Eine der Hauptfiguren ist Julius Graf, ehrgeiziger Hauptmann und Adjutant des Generals, der in Berlin den Putsch plant. Langsam kommt er seinem Vorgesetzten auf die Schliche und muss Partei ergreifen. Graf ist mit Emilia Berg liiert, die sich als aufstrebende Journalistin beim Fernsehen entscheiden muss, ob sie den Korruptionsversuchen der Politiker nachgeben soll. In Riga wird der deutsche Botschafter Richard Hartig von den Ereignissen überrollt, sieht sich den russischen Provokationen gegen das Baltikum gegenüber und soll dafür sorgen, dass der NATO-Partner nicht überreagiert. Die Ränkespiele in der Politik direkt verfolgen kann der Leser durch die Brille von Außenministerin Marlene Kehler und ihrem Konkurrenten um die Nachfolge von Bundeskanzler Neubauer, den Verteidigungsminister Schnarr. Der wiederum spinnt seine eigenen Fäden und korrumpiert Journalisten, um die Konkurrentin kalt zu stellen. Und schließlich hat der Leser auch noch aus Sicht des einfachen Soldaten Lukas Sablinski Einblicke in den Putschversuch, denn er muss mit seiner Einheit zu einem Manöver ausrücken, dass sich schnell als realer Einsatz und nicht als Übung herausstellt.

Johann Palinkas, der noch an der Hamburger Bucerius Law School studiert, wurde durch seine Zeit im freiwilligen Wehrdienst der Bundeswehr zu seinem Roman inspiriert. Für einen dreiundzwanzigjährigen Autor ist dieser Roman ein erstaunliches Debüt, weniger wegen des brisanten Themas, sondern vielmehr wegen seines geradlinigen Stils und der spannenden Erzählweise. Sowohl die Betrachtungen, die hier zum Thema Macht gemacht werden, als auch der Blick auf Politik und Militär erscheinen authentisch und sind durch gute Recherche untermauert. Dieser Politthriller ist sehr gut geschrieben und erstaunlich reif für einen Erstling eines so jungen Autors, auch wenn der Plot in sich einige Schwächen hat, weil zum Beispiel  das Finale ein bisschen weit hergeholt ist. Insgesamt ist „Coup“ aber sehr unterhaltsam und auf erschreckend realistische Weise zu einer spannenden Geschichte verflochten.

Coup

Johann Palinkas

Benevento Verlag

Gebunden, 400 Seiten, 22 Euro

ISBN: ‎ 978-3710901201

Weitere Informationen unter https://www.beneventobooks.com/produkt/coup/